Bereits 1955 gibt es erste Überlegungen der Stadt Ulm für ein weiteres Kinderheim.Neben vielen Diskussionen über die Dringlichkeit eines Kinderheimes gegenüber einem Haus für ”ledige Mütter” oder einem
Hort kommt noch eine spannungsreiche Diskussion im Gemeinderat der Stadt Ulm darüber, ob dies ein kirchliches Heim sein müsse. Damals haben sich sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche vorstellen können,
jeweils ein eigenes Kinderheim zu errichten.
Nachdem die katholische Kirche Abstand davon nimmt (es gibt bereits eine katholische Einrichtung: den ”Rettungsverein zum Guten Hirten”), entscheidet sich der
Evangelische Gesamtkirchengemeinderat Ulm am 05.11.1958 -nach langwierigen Verhandlungen - für den Bau eines Kinderheimes. Es wird am 01.04.1960 fertig gestellt und in Betrieb genommen.
Anfangs
wohnen bis zu 48 Kinder und Säuglinge im Logauweg auf dem Eselberg. Auf jedem der beiden Stockwerke wohnt eine ”Familie” mit jeweils 24 Kindern. Bereits 1968 wird die Platzzahl auf 33 reduziert, 1970 auf 30 und 1972 auf
20 Plätze. Die Reduzierung erfolgt zum einen auf Forderungen des Landesjugendamtes, zum anderen aus sozialpädagogischen Gründen. Nur so wird es möglich, auf die Problemlagen der Kinder individuell einzugehen.
Auf der Suche nach einem Namen für das ”Evangelische Kinderheim” gibt es verschiedene Vorschläge. Auf Anregung von Kirchengemeinderat Kässbohrer soll es den Namen ”Oberlin-Kinderheim” bekommen. Bei der
Weihnachtsfeier am 18.12.1962 erfolgt dann die Namensgebung: Oberlin – Kinderheim.
Auf Anraten des Oberkirchenrates Ströbel wird das Oberlin – Kinderheim aus der Gesamtkirchengemeinde herausgelöst und am
01.01.1966 dem damaligen Trägerverein ”Ulmer Verein für Innere Mission” angeschlossen. Dieser wurde 1954 gegründet als Trägerverein für das Alten- und Mädchenwohnheim ”Dreifaltigkeitshof”.
Im November 1975
wird das Oberlin – Kinderheim 15 Jahre alt. Bereits ein Jahr später beschließt der Träger die Übernahme von Lehrlingen aus dem Evangelischen Lehrlingsheim Ulm (ELU), das geschlossen wurde. Diese jungen Menschen sollen
dadurch die Möglichkeit erhalten, ihre Lehre bzw. Schule in Ulm zum Abschluss bringen zu können. Deshalb wird ein Haus in der Heidenheimer Str. angemietet. Diese Übergangslösung wird zu einer Dauerlösung, wenn auch
später in modifizierter Form und so entsteht die erste Außenwohngruppe für Jungen mit acht Plätzen. Im Blick auf die gemachten guten Erfahrungen dieser Jungenwohngruppe empfiehlt der Jugendhilfeausschuss der Stadt Ulm
im November 1978 die Einrichtung einer Außenwohngruppe für Mädchen. Das Oberlin – Kinderheim greift diese Empfehlung auf, findet im damaligen Dietrich-Bonhoeffer-Haus am Galgenberg entsprechende Räume und eröffnet im
Frühjahr 1980 eine Außenwohngruppe für Mädchen.
Eine große Zäsur bildet das Jahr 1984. Das Oberlin – Kinderheim wird umstrukturiert. Das Gebäude des Kinderheimes wird verlassen und die dort in zwei Gruppen
wohnenden jungen Menschen auf drei weitere Außenwohngruppen ”verteilt”, ebenso die MitarbeiterInnen. Zu diesem Zweck werden Häuser in Ulm angemietet bzw. gekauft. Gründe für diesen Schritt sind vor allem: Weg von der
”Rund-um-Versorgung”, Schaffung von realen Lebenssituationen, Bildung von kleinen Gruppen mit familienähnlichen Strukturen.
Da das Oberlin – Kinderheim zu diesem Zeitpunkt fast ausschließlich
Jugendliche betreut, erfolgt 1985 eine Namensänderung in Oberlin – Haus. Nachdem der Trägerverein, der Ulmer Verein für Innere Mission, 1985 den Dreifaltigkeitshof an die Heimstiftung und 1986 das Studentenwohnheim
(gegründet 1967) an das Studentenwerk übergeben hat, erfolgt sowohl eine Satzungsänderung als auch eine Namensänderung. Seit 1987 ist der Name des Trägers identisch mit dem Namen der Einrichtung:
Oberlin-Haus Ulm e.V., Evang. Einrichtung für Jugendhilfe. In der Satzung ist festgelegt, dass der Verein aus bis zu zwölf Mitgliedern besteht. Sechs davon werden von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde
benannt, die ihrerseits bis zu sechs Personen dazuwählen.
Die Umstrukturierung 1984 ist der Beginn einer stetigen Entwicklung, Erweiterung und Differenzierung der Hilfeangebote. Das Oberlin–Haus mit seinen Wohngruppen
soll künftig nicht nur die ”letzte Station”, die ”ultima ratio” bei Problemlagen von Kindern, Jugendlichen und Familien sein. Deshalb wird in der Folgezeit das Augenmerk deutlich und intensiv auf prophylaktische
ambulante Hilfen einerseits, sowie auf eine Differenzierung im stationären Bereich andererseits gerichtet. Der stationäre Bereich bleibt zwar weiterhin ein bedeutender Aufgabenschwerpunkt, doch die stetig ansteigende
Entwicklung im ambulanten Bereich ergibt inzwischen ein nahezu ausgewogenes Verhältnis von ambulanten und stationären Hilfen.
Was sich im Einzelnen an Hilfeformen hinter dieser fortdauernden enormen
Entwicklung und Differenzierung verbirgt, ist weiter unten unter ”Auf einen Blick” nachzulesen.
Alle diese neuen Hilfeformen sind aus der Praxis heraus entwickelt bzw. haben ihren Ursprung meist in bereits
vorhandenen Aufgabenfeldern. Diese Veränderungen und Angebotserweiterungen sind aber nur möglich aufgrund der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den örtlichen Jugendämtern. Es wird vielfach deutlich, dass
Einrichtung und Jugendämter -im positiven Sinne- aufeinander angewiesen sind und nur gemeinsam den unterschiedlichen Problemstellungen von Kindern, Jugendlichen und Familien gerecht werden können.
Diese
Entwicklung und weitere Differenzierung der Hilfeangebote zieht natürlich auch räumliche und personelle Folgen nach sich. So müssen 1996 weitere Räume für die Mitarbeiter verschiedener Bereiche sowie für
Besprechungsräume, Büro´s, auch für die Mitarbeitervertretung, geschaffen werden. Deshalb wird ein weiteres Haus für eine Wohngruppe gekauft und die in der ”Zentrale” befindliche Wohngruppe zieht um.
Im
gleichen Jahr wird erstmals eine Falttasche mit Faltblättern für jeden einzelnen Aufgabenbereich gedruckt und die Einweihung der ”Zentrale” wird -nach kleineren Umbauarbeiten- gebührend und öffentlich gefeiert.
Im Herbst 1998 begann im Rahmen eines Projektes des Diakonischen Werkes Württemberg die Qualitätsentwicklung im Oberlin-Haus. Dies ist eine sehr interessante, spannende und wichtige Aufgabe, an der nahezu
alle MitarbeiterInnen beteiligt sind. In diesem Rahmen und zur Vorbereitung von Entgeltverhandlungen für den stationären Bereich der Wohngruppen und Erziehungsstellen werden u.a. die ersten
Leistungsbeschreibungen gem. § 78 c erstellt.
In Munderkingen/Alb-Donau-Kreis wurde im März 2000 eine kleine Außenstelle eingerichtet, da diese Region zunehmend Bedarf an Sozialpädagogischer
Familienhilfe aufzeigt und dort eine Gruppe im Rahmen von Sozialer Gruppenarbeit anfängt.
Weitere Außenstellen in Laichingen und Erbach folgen.
Im März 2003 startet das Oberlin-Haus Ulm im Rahmen der
Sozialraumorientierung als erster Schwerpunktträger in den Sozialräumen Weststadt/Söflingen und Eselsberg (siehe „Sozialraum“).
Es folgen weitere Jugendhilfeangebote, wie z.B. Schul- und Jugendsozialarbeit oder die Übernahme der Jugendfarm in Ulm.
Eine weitere große Veränderung ist der Umzug im Februar 2008 der Oberlin-Zentrale von
der Bleichstr. 32 in die Kässbohrerstr. 18.
Mittlerweile ist die Mitarbeiterschaft auf ca. 100 Personen angestiegen, und zeigt immer noch steigende Tendenz…